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Banger, Zeitungsrolle, Böller, Feuerzeug, 40 x 12 cm, 2017

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Raumansicht
Raumansicht v.l.n.r.
Frank, Holz, Textil, PVC, 115 x 5,5 x 5 cm, 2018
Karsten, Holz, Textil, PVC, 45 x 33 x 2 cm, 2018
Lutz, Holz, Textil, PVC, 45 x 33 x 2 cm, 2018
Praktikant Kevin, Holz, Textil, PVC, 36 x 6 x 1,5 cm, 2018
Klaus, Holz, Textil, PVC, 67,5 x 8,5 x 6 cm, 2018
Azubi Lars, Holz, Textil, PVC, je 79 x 6,5 x 4,5 cm, 2018

 

Gleisarbeiter

Die Sonne stach von den Schienen blank ins Auge und Karsten hielt sich die Nase, um nicht zu niesen, schluckte einen Atemzug und nieste dann trotzdem.

Gesundheit“, sagte Frank und kramte sich eine Zigarette aus der Hosentasche. Seine Fingerkuppen waren ganz verfärbt. Er schnippte sein Feuerzeug und der Rauch der Aufstieg verschwand dünn und bitter in der Morgenluft.

Sind spät dran“, sagte Frank und drückte die Schuhspitze gegen den Riss, der sich stetig ins Gleis fraß und Karsten drückte seine Zunge gegen den Backenzahn mit dem Loch, ganz hinten im Unterkiefer. Summte Hmhm und betastete prüfend die leicht geschwollene Wange, die beinahe ganz ohne Wölbung in einen breiten Hals überging.

Zwei Warnwesten kamen von weitem über die Schienen, eine groß und breit, die andere kleiner und Karsten winkte mit einer massigen Hand und Lutz, der größere Neonfleck, winkte zurück. Kevin, der Praktikant stolperte über die Schwellen neben ihm her und Frank rauchte die Zigarette mit einem langen Zug bis zum Filter.

Karsten sah rüber zum Kranwagen, grüßte Lutz und Kevin nickend und Frank vergrub den Filter mit der Schuhsohle knirschend unter Schotter und hob den Schienenschneider schwer ans Gleis „Kann’s losgehen?“

Warten wir noch auf die Schweißer.“ Lutz lächelte und Kevin gähnte lang und breit.

Karsten zuckte die Schultern und trat an den Kranwagen. Gelb glänzte der Lack in der Sonne und das Metall des Haltegriffs brannte kalt in seiner Handfläche, während sich Karsten in die Führerkabine rauf wuchtete. Schweiß trat ihm auf die Stirn und für einen Moment drehte sich der Kranwagen um die Schienen wie ein wirres Karussell.

Ein scharfes Blinken tanzte in seinem Sichtfeld; das Display eines Handys, das sich Kevin aus der Tasche zog, brach das Licht.

Vier Warnwesten traten aus den Schatten der Brücke und Karsten blinzelte gegen die Sonne. Konnte nicht genau sehen. Vielleicht waren es nur zwei.

Ein Motor heulte und Frank drückte den Schienenschneider kreischend in den Stahl. Funken stoben wie Insektenschwärme. Schotter zitterte unten am Boden, zitterte am Kranwagen rauf, brachte das Karussell zum stehen.

Ein ICE rauschte hinter ihnen vorbei. Neonfarbene Flecken verschwammen am Glas, spiegelten sich auf weißem Lack.

Und Frank hätte nicht sagen können, welcher von ihnen er selber war.

Text: Nina N. Rezagholinia

 

 

 

 

 

 

 

you_can_get_it_if_you_really_wantYou can get it if you really want, Einkaufswagen 199 Teile, Tragetasche, 46 x 36 x 33 cm, 2016

„Niedrig Preis Discount“ so der Name des Nahrungsmittelvertreibers, dessen Tüte Teil des Werkes ist. Der Ablauf ist wohl immer der gleiche: Ein Euro Pfand für einen Einkaufswagen, einkaufen, an der Kasse bezahlen und die erworbenen Produkte in eine solche Tüte verstauen. Hier interveniert jedoch der Künstler. Feinsäuberlich zerteilt er einen Einkaufswagen in 199 Teile und anstatt mit den Einkauf, befüllt Marouf die Tüte mit ebendiesem dekonstruierten Einkaufswagen. Auf dieser Weise hält der Künstler den Nutzen des Wagens vor, entspricht jedoch der Handlungsweisung der Einkaufstüte. Ein Paradox, denn die Tüte verliert durch den Inhalt ihren Nutzen, unmöglich kann sie die Last des Wagens tragen. Die Logik dieser Arbeit liegt in der Zweckentfremdung. Das eine blockiert das andere, die Grenze des offensichtlichen Zwecks löst sich auf, welcher sich in der Sinnlosigkeit verliert.

Text: Jonas Maaßberg

 

_MG_0048gLos, verzieh Dich!, Keilrahmen, Acryl, Wasserwaagen, 180 x 180 cm, 2017

Mit Hilfe von acht, gelben Wasserwagen wird aus einem gewöhnlichen, unbespannten Keilrahmen ein verstecktes Hakenkreuz. Zwei, sich ergänzende Narrative werden hier deutlich. Einerseits die fast grenzenlose Militanz der Akkuranz einer Konstruktion und anderseits die Willkürlichkeit des Findens, oder eher der Suche nach Symbolen. Zweites könnte auch stellvertretend für die selbstbeanspruchte Geradlinigkeit der Argumentationsketten rechtspopulistischer Gruppierungen – die wohl eher so willkürlich ist, wie die Suche nach der Symbolik des Hakenkreuzes in dem unbespannten Keilrahmen.

Text: Jonas Maaßberg